Warum manche Unternehmen Millionen für eine Domain bezahlen

Es gibt naturgemäß ganz wenige einstellige Domainnamen unter der Top Level Domain .com, also Domainnamen wie „z.com“. Wenn dir noch nicht so viele davon untergekommen sind, ist dies kein Wunder: Erstaunlicherweise sind nur wenige aktiv in Verwendung. Die meisten liegen offenbar als „Premium-Domain“ in den Portfolios von Domainhändlern.

Die Domain x.com gehörte bis vor kurzem PayPal. Jetzt hat PayPal bestätigt, dass x.com an den früheren Domaininhaber zurück verkauft worden ist.  Das berichtet DomainInvesting.com. Bei dem Käufer handelt sich dabei um einen alten Bekannten, von dem du ganz sicher schon in anderem Zusammenhang gehört hast: Elon Musk, der Tesla-Typ und SpaceX-Raketenmann.

Die Domain wurde offenbar einst für einen Finanzdienst verwendet, den Musk mitgegründet hatte. Später ging die Domain zu PayPal und Ebay, aber wurde wohl seither nicht mehr verwendet. Was Musk nun damit vorhat, weiß man nicht, aber das große „X“ in „SpaceX“ legt ja zumindest eine Verwendung der Domain x.com für das Raumfahrtunternehmen von Musk nahe.

Über den Verkaufspreis ist nichts bekannt. Man kann den Wert aber in Regionen von etwa acht Millionen Dollar schätzen. So viel wurde für z.com bezahlt. Es klingt nach Wahnsinn, dass einem Domainnamen, der nicht physisch greifbar ist, so ein hoher Wert zugemessen werden kann.

Domain vergeben? Chance auf dem Zweitmarkt, aber eher nur für große Unternehmen

Unternehmen, die einen Domainnamen unter .com passend zu ihrer Marke oder Produktbenennung nutzen wollen, bleibt nicht viel mehr übrig als einen Domainnamen zu übernehmen, es sei denn sie wollen den Unternehmensnamen an einen noch freien Domainnamen anpassen. Viele attraktive Domainnamen sind einfach schon registriert.

Dies trifft insbesondere Unternehmen, die sich heute neu gründen und einen Domainnamen brauchen, der eine Verbindung zur Unternehmung und deren Produkte oder Dienste herstellt. Wenn es zum Beispiel eine Firma gibt, die etwas in Sachen Cloud-Computing anbieten möchte, will sie „cloud“ im Domainnamen haben. Doch man wird nicht allzu viele freie unregistrierte Domainnamensvariationen unter .com finden. Also heißt es, tief in die Tasche greifen und über den Domainnamen verhandeln.

Mit unberechtigtem Reverse Domain Hijacking verbrennen sich Unternehmen ihren guten Ruf

Findige Firmenanwälte versuchten Domaininhabern eine bestehende Domain abzujagen und begründen ihren Übernahmeanspruch mit Marken- und Namensrechten. Wenn der Domainname aber bereits vor der Firmengründung registriert wurde oder es sich um einen normalen, alltagssprachlichen Begriff handelt, wird die schwer. Wenn man dennoch ein Übernahmeverfahren anstrengt und dies mit „Retroactive Bad Faith“ argumentiert, den den Domaininhaber seinerzeit an den Tag gelegt hätte, setzt man sich schnell dem Vorwurf aus, einen „Reverse Domainname Hijacking„-Versuch zu unternehmen. Einen Fall haben wir am Beispiel von queen.com beschrieben.

Einzelne Top-Verkäufe müssen das Portfolio des Händlers mitfinanzieren

Der hohe Preis für Domainübernahmen von einem Händler erklärt sich nicht (nur) aus der Gier der Domainhändler, sondern aus den langen durchschnittlichen Haltezeiten der Domains im Portfolio der Händler. Die Inhaberschaft von Domains kostet jedes Jahr Geld aufgrund der Verlängerungsgebühren.

Je nach Anzahl können die Kosten immens sein, umgekehrt benötigt man als Händler aber eine Vielzahl an Domainnamen, damit die Wahrscheinlichkeit groß genug ist, auf Interessenten zu treffen. Aus diesen einzelnen Verkäufen müssen die Kosten für die Verlängerung der vielen anderen Domains, die nicht weggegangen sind, mitfinanziert werden.

Nun könnte man an die vielen neuen Top Level Domains als Ausweichvariante denken, doch diese werden vom User entweder nicht ernst genommen oder nicht akzeptiert. In vielen Fällen berichten Unternehmen von der Schwierigkeit, einen Domainnamen unter einen neuen TLD zu vermarkten. Die Leute erkennen die Zeichenkette nicht als Domainnamen, wenn man ihn auf ein Plakat oder in einen Zeitungsanzeige druckt.

Einstellige Domainamen unter .de vergleichweise günstig zu haben

Seit 2009 gibt es übrigens auch einstellige Domainnamen unter der ccTLD de. „c.de“ wird zum Beispiel zu Chip.de weitergeleitet. Aber auch für die registrierten einstelligen .de-Domains ist anzunehmen, dass viele einfach nur Spekulationsobjekte sind. Acht Millionen Euro lassen sich damit wohl nicht erzielen.

Für x.de zeigt die Domainhandelsplattform, über die die Domain angeboten wird, gerade einmal fünf Gebote. Als Mindestgebot gibt der Inhaber 50.000 Euro an. Angesichts dessen, was so auf einstelligen .de-Domainnamen passiert (Affiliatelink-geschwängerte Verzeichnisseiten, die seit 10 Jahren nicht mehr angefasst wurden oder die Domain wird gar nicht aufgelöst), mutet diese Preisvorstellung als reine Phantasie an. Deutsche Unternehmen sehen hier offenbar keinen Wert.

Dass einstellige Domainnamen nicht von Haus attraktiv sind, stützt die Vermutung, dass der Wert einer Domain sich in gewisser Weise aus dem Grad der Passung von Domainname und Markenname zusammensetzt. Wenn „es passt“, sind Unternehmen offenbar bereit, hohe Kosten für die Übernahme einer Domain aufzubringen. Zumindest im amerikanischen Markt.

Ein ‚cooler‘ Domainname reicht nicht mehr

Einfach einen vermeintlich „coolen“ Domainnamen zu registrieren oder zu übernehmen, bringt zunächst keinen Traffic auf die Website. Früher mag das anders gewesen sein. Im „prä-google-istischen“ Zeitalter hat man einfach durch einen „sprechenden“, originellen oder durch die Kürze sehr bequemen Domainnamen Traffic generiert, weil die User vorzugsweise die Adresszeile des Browsers verwendet haben, um zu der Seite der Wahl zu navigieren. Heute übernehmen Suchmaschinen die Navigationsaufgabe und damit die Besucherverteilung.

Heute geht es beim Domainnamen eher um Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und Sichtbarkeit. Das muss allerdings mit weiteren Marketingmaßnahmen unterfüttert werden und spätestens hier gehört das Domaining klar in den Bereich Branding/Markenführung.

Wenn die Wikipedia-Liste nicht trügt, gibt es kein börsennotiertes deutsches Unternehmen, das mit nur einem Buchstaben als Namen auskommt. Man könnte an „B“ für Bayer AG denken oder oder die Bertelsmann SE. Kleinere deutsche Firmen wollen sicher nicht so viel Geld für eine Domain ausgeben und internationale Unternehmen setzen auf .com. Spekulationsorientierte Domaininhaber, die den Kampf um Millisekunden bei der Vergabe der einstelligen Domainnamen seinerzeit gewonnen haben, bleiben auf ihren vermeintlichen Schätzchen sitzen.

Fazit

Für Unternehmen kann es sehr teuer werden, eine Domain von einem Domainhändler zu übernehmen. Umgekehrt steht der Domainhändler vor der Herausforderung, auf einzelnen Verkäufen das normalerweise recht große Portfolio an Domainnamen mitzufinanzieren.

Offensichtlich fallen neue Top Level Domains aus, wenn es darum geht, so hohe Kosten zu vermeiden. Zum einen akzeptieren User diese neuen Top Level Domains nicht wie erhofft und gewünscht, andererseits bieten die Registries selbst attaktive Domainnamen als „Premium-Domains“ zu selbst festgelegten, willkürlich anmutenden Preisen an, was das Vertrauen in Preispolitik der Registriers nicht gerade erhöht.

Als Webhoster, der ausschließlich in Deutschland tätig ist und dessen komplette Infrastruktur im Land beheimatet ist, bietet goneo die Registrierung von de-Domains zur sehr günstigen Preisen an (z.B. Domain Start ab 19 Cent im Monat mit Web- und E-Mail-Weiterleitung).

In jedem goneo-Webhosting-Paket sind entsprechend viele Registrierungen inklusive: Von einer .de-Domain im Start-Paket für 2,99 Euro im Monat, über 5 de-Domains (Profi-Paket
für 5,99 Euro im Monat, 10 (Premium-Paket für 8,99 Euro im Monat) bis hin zu 20 Domains im Ultra-Paket für günstige 17,99 Euro im Monat.

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