Demnächst Adblocker im Chrome-Browser – Google warnt schon einmal ein paar große Sites vor

Nach einem Bericht auf AdAge diese Woche haben einige große – und sehr große – Publisher Mails von Google erhalten, die man als Sitebetreiber nicht so gerne liest: Zu viel Werbung, mehr als 30 Prozent, heißt es darin.

Du als Webseitenbetreiber hast sicher keine solche Warnung erhalten (es sei denn, dir gehört Forbes.com, die Los Angeles Times, die Chicago Tribune, LifeHacker, ZDNet, oder Eurogamer). Dennoch betrifft dich das Ganze:

Der Grund dafür ist, dass sich so die Einführung eines Adblockers im Chrome-Browser ankündigt.

Damit wird deine Site, wenn sie werbelastig ist und nicht ohnehin schon von der Google-Suche ausgebremst wird, im Browser unvollständig angezeigt, auch wenn der User nicht von der Google-Suche kommt.

Google spricht in diesen Mails deutliche Warnungen wegen der Art der Werbeeinbindungen auf den Webseiten aus.

Die Mails verweisen auf den Better Ads Standard und bescheinigen der kontaktierten Website, dagegen zu verstoßen. Der Standard wurde in der Coalition for Better Ads entwickelt. Basis war eine Befragung von 25.000 Leuten in Europa und in den USA.

Nach Angaben auf AdAge habe Google um die 100.000 Websites auf Konformität mit dem Better Ads Standard überprüft.

Weniger als ein Prozent sei auffällig gewesen. Offenbar sieht Google bei europäischen Sites ein größeres Problem als mit amerikanischen Seiten: 40 Prozent der Verstöße seien amerikanischen Website zuzuordnen, 60 Prozent europäischen, heißt es.

Probleme sind oft Popup-Ads oder hohe Adload auf der Seite, was dann der Fall ist, wenn flächenmäßig mehr als 30 Prozent des Inhalts Werbung ist.

Man muss diesen „Informationsservice“ von Google sicher in Zusammenhang damit sehen, dass der hauseigene Browser, Chrome, einen eingebauten Werbeblocker bekommen soll.

Dieser wird sicher nicht die Werbung radikal aus dem Web wegwaschen.

Sonst würde sich Google selbst den Boden unter den Füßen wegziehen: Google lebt von Werbung, in der Suchmaschine, aber auf Basis des Google Display Ad Netzwerks.

Also lässt man ein bisschen Werbung zu, die man dann „nicht-nervend“ und „akzeptabel“ nennt. Der Better Ads Standard liefert den empirischen und normativen Rahmen dafür.

Eine gewisse Bigotterie liegt also in der Natur der Sache.

Jetzt, wo auch in Deutschland wiederholt gerichtlich festgestellt wurde, dass Adblocker legal und angeboten werden können, minimieren sich die Rechtsrisiken für Anbieter dieser Tools.

Adblocking könnte noch populärer werden.

Google gerät in Zugzwang, da User auf andere, werbeblockende Browser zurückgreifen könnten, namentlich Firefox und Safari. Apple hat bei der letzten WWDC ja bereits entsprechende Features angekündigt.

Daher wird Google selbst einen Werbeblocker einführen. Dieser ist für Anfang 2018 angekündigt. Damit nicht so viele große Websites Warnungen generieren oder geblockt werden, beginnt Google nun, diese zu sanfterer Integration von Ads zu bewegen.

Zudem entfällt für Nutzer, die keine Werbung sehen wollen, die Notwendigkeit, ein extra Tool zu installieren.

Das Geschäftsmodell von Werbeblockern basierte auf einer Whitelist, auf die sich der Werbekunde gegen Bezahlung setzen lassen kann.

Zwar will Google momentan nicht alle Seiten überprüfen, sondern nur die, „auf denen die User 90 bis 95 Prozent ihrer Zeit verbringen“, wird  Scott Spencer zitiert, Product Management Director bei Google.

Ganz nüchtern betrachtet könnte man daraus ableiten: Google wird weiter die Werbelast auf einer Website – wie auch heute schon – berücksichtigen und Seiten, die viel Werbung zeigen, in der Suchergebnisliste schlechter stellen.

Dazu kommt, dass Seiten, die mehr als 30 Prozent der Inhaltsfläche für Werbung verwenden, nicht mehr vollständig angezeigt werden, weil die Fläche, die als Werbung erkannt wurde, vom Browser ausgeblendet wird.

Wenn du also Werbung auf deinen Seiten einblendest, stelle sicher, dass die Fläche für die Werbung 30 Prozent nicht überschreitet.

Der Adblocker in Chrome ist nicht zu ignorieren. Schau dir dir Marktanteile des Browser an (hier haben wir über den neuen Browserkrieg geschrieben), und du weißt, warum.

Das dürfte vor allem Banner, Skyscraper, Content Rectangles etc. betreffen, wie man sie von Affiliateprogrammen oder Werbenetzwerken bekommt.

Unter Umständen solltest du überlegen, ob statt eines Banners nicht eine weniger intrusive Werbeform möglich wäre.

Auch große Werbetreibende tendieren zum sogenannten Native Advertising, bei dem eigener Inhalt und Werbeinhalt zunächst nicht zu unterscheiden ist (aber gekennzeichnet werden muss). Vielleicht wäre das ein passendes Format für dich?

Aber Vorsicht, auch wenn du dir Artikel auf die Seite holst, die auch auf vielen anderen Seiten erscheinen und Links zu einer identischen Zielseite beinhalten, kannst du dir den Unmut von Google auf dich ziehen.

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