.amazon-Domains: Der Riese macht ein wenig Druck

Die ICANN bietet Markeninhabern („brands„) die Möglichkeit, eine Top-Level-Domain mit ihrem Markennamen zu nutzen. Seit fünf Jahren gibt es diese Möglichkeit.

Wie der Vice President von Amazon Brian Husemann auf CircleID schreibt, sei Amazon von Anfang an dabei gewesen und habe sich für .amazon-Domains und entsprechende Übersetzungen beworben.

Allerdings wartet Amazon immer noch und zeigt sich nun etwas ungeduldiger.

Viele Unternehmen und Konzerne haben einen so eine Dotbrand-Top-Level-Domain beantragt und auch erhalten, andere haben Interesse bekundet, einen Antrag gestellt und inzwischen wieder zurückgezogen. McDonald’s gehört zu den prominenten Beispielen dafür.

Bis heute sind die Dotbrand-Domains für Amazon nicht vergeben. Das liegt unter anderem auch an den Bedenken der Staaten Brasilien und Peru, wie wir hier bereits einmal beschrieben haben. Man könne, so hieß es von beiden Staaten, „.amazon“ und „Amazona“ – gemeint ist das Regenwaldgebiet verwechseln.

Diese Begründung klingt holprig und der Widerstand südamerikanischer Staaten dem großen US-Konzern Amazon die Domain .amazon zukommen zu lassen, kann damit zusammenhängen, dass im Zuge der Snowden-Enthüllungen Spionageaktivitäten gegen brasilianische Bürger aufgedeckt worden sind. Das hat dann vielleicht für Verstimmung gesorgt.

Ein Ausschuss (der Independent Review Process Panel, kurz: IRP) hat bereits darüber befunden und die Bedenken als unbegründet zurückgewiesen. Dennoch sind die Amazon-Top-Level-Domains noch nicht vergeben.

Das Governmental Advisory Committee der ICANN, in diem die Länder der Erde vertreten sind, hat beschlossen, dass Amazon die Top-Level-Domain nicht haben soll. In diesem Dokument ist dies begründet.

Nun macht Amazon einen neuen Vorstoß. Husemann und Kollege Scott Hayden schreiben einen Brief an die Vorstandschaft der ICANN.

In diesem Brief fordert Amazon die ICANN auf, hinsichtlich dieser Dot-Brand-Domains für das Unternehmen zu handeln.

Schließlich warte man schon so lange, habe versucht, mit Peru und Brasilien  Einigungen zu finden und viele andere Marken hätten eine gewisse Namensgleichheit mit Regionen, Ländern oder Städten.

It is now time for the Board to act promptly and allow our .AMAZON Applications to proceed.

Fazit

Selbst der Internetriese Amazon, der sich neben der naheliegenden .amazon-Top-Level-Domain noch weitere Top-Level-Domains wie .kindle sichern will, ist den „Multistakeholder“-Prozessen der ICANN unterworfen.

Neben technischen und juristischen Arbeitsgruppen sind auch die Regierungen der Länder daran beteiligt. Folge: Die Mühlen der ICANN mahlen recht langsam und, so einige Insider, widersprechen sogar ICANN-eigenen Vorschriften.

Ob die ICANN nun auf das höfliche Drängen reagiert und sich nun zu einer schnellen Entscheidung hinreißen lässt, erscheint sehr unwahrscheinlich.

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