Facebook sperrt Seiten, um Propaganda und Fake News zu bekämpfen

„Inauthentic coordinated behavior“ ist der Facebook-Sprech für Fake News und Fake Seiten, Fake Gruppen und Fake Profile, die miteinander verbunden sind und interagieren. Mit  einer offenbar größer angelegten Initiative versucht das soziale Netzwerk aktuell, diesem Missbrauch entgegen zu treten.

In seinen Newsroom Blog hat Facebook davon berichtet, 652 Seiten, Gruppen und Accounts gesperrt zu haben, die aus dem Iran heraus über verschiedene Dienste im mittleren Osten, Südamerika, den USA und Groß Britannien agierten.

Wir fragen uns, bekommt man das Problem in den Griff und betrifft es auch die eigentlichen Träger von Informationen, als Zielseiten, deren Inhalte ja oft geteilt werden?

Über entsprechende Aktivitäten in Deutschland berichtet Facebook derzeit nichts. Wahrscheinlich hat man den amerikanischen Markt im Auge, zumal dort ja Bedenken laut wurden, ausländische Kräfte könnten inneramerikanische Entscheidungen gezielt und in negativer Weise beeinflussen.

Was ist eigentlich Fake?

Als slippery slope ordnen viele die Versuche ein, eine ausgewogene, neutrale inhaltliche Kontrolle zu etablieren. Das Dammbruchargument war bisher die häufigste Begründung, mit Löschungen und Sperrungen zurückhaltend zu sein: Wo fängt man an, wo hört man auf? Schnell könne es zu overblocking kommen. Diskussionen, die wir auch vom Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Deutschland kennen.

Die Versuche von Facebook richten sich – so wie bei anderen Social Networks – gegen Fake News, offensichtliche Propaganda und Denunzierungen vom Amtsträgern oder Einzelpersonen sowie Organisationen durch unfaire Darstellungen.

Faking ist ein allgegenwärtiges Phänomen

In diesem Zusammenhang ist das Gespräch zwischen zwei Onlinemarketern interessant, die sich in ihrem Podcast die Frage stellen, inwieweit Faking ein immanentes Element im Onlinemarketing oder in der Werbebranche ist. Deswegen will der Gesetzgeber ja auch, dass Aussagen, Bilder oder Video, die ein Produkt lobend und positiv darstellen, als Werbung gekennzeichnet wird, sofern der Präsentierende davon einen materiellen Vorteil vom Produzenten dieses Produkts erhalten hat. Man geht dann instinktiv davon aus, dass die Aussage zum Produkt so gestaltet ist, dass die Wirkung auf einen Zuschauer, Leser, Hörer oder User möglichst positiv ist.

Wie Faking im Online Marketing gesehen wird

Sicher ist es auch eine Definitionsfrage, wie man „Fake“ grundsätzlich definieren will. Dem Begriff haftet etwas Unmoralisches und eigentlich sozial Unerwünschtes an. Es fehlt das Authentische. Dennoch wird solches Kommunikationsverhalten bis zu einer gewissen Grenze allgemein akzeptiert. Bestandteile solcher Definitionen des Begriffs „Fake“ sind oft „Vortäuschung einer falschen Identität“, „Aufstellen wissentlich unwahrer Behauptungen in einem öffentlichen Umfeld“, „Versuch der gezielten Verhaltens- oder Meinungsbeeinflussung Dritter durch an sich nicht verurteilenswerter Aktivität“.

In diesem Zusammenhang muss man auch das Setzen von Online-Service-Bewertungen, die man als Autor, Unternehmensmitarbeiter oder -inhaber  selbst vornimmt oder durch eine Agentur vornehmen lässt, kritisch hinterfragen. Auch dies ist eine Art „Faking-good“, da man das eigene Produkt sicher nicht schlecht darstellen wird.

Hier die beiden Teiel der Termfrequenz-Podcast-Episode von Carsten Hinrichs und  Martin Missfeldt:

Teil 1
https://www.termfrequenz.de/podcast/car-mar-om-podcast/umgang-mit-fakeprofilen-fakes-im-internet/

Teil 2
https://www.termfrequenz.de/podcast/car-mar-om-podcast/fake-im-online-marketing-sind-wir-teil-des-systems-teil-2-von-2/

Man kann auch, und dies klingt im erwähnten Podcast an, den gezielten Linkaufbau als Faking betrachten: Verlinkungen werden im Rahmen von SEO-Maßnahmen strategisch gesetzt, mit dem Ziel, die automatische und algorithmische Relevanzabschätzung der zu optimierenden Seite durch Suchmaschinen zu beeinflussen. Ein solcher Link ist oft nicht natürlich oder organisch entstanden, sondern Ergebnis einer Verhandlung mit dem Betreiber der linksetzenden Website.

Warum sich Löschaktionen oft nur gegen Social Media Präsenzen richten und nicht gegen Webseiten

Im Gegensatz zu Präsenzen auf sozialen Plattformen geraten Websites, die unter einer eigenen Domain aufzurufen sind, seltener ins Visier von Löschaktionen und wenn, dann aus anderen Gründen.

Eine Website wird von einer Organisation oder Einzelperson betrieben. So stammt der größte Teil des Contents aus überschaubar vielen Quellen. Die Netzwerkeffekte von Social Media kommen auf Websites nicht zum Tragen. Dafür fehlt die Interaktion der User untereinander. Eine Ausnahme können Userkommentare sein, die aber recht einfach moderiert werden können, weil der Seitenbetreiber das Content Management System unter Kontrolle hat.

Das Viral-Gehen von Informationen, die bei vielen Menschen Empörung auslösen können und die schneeballartig weitergeleitet werden, bewertet und kommentiert werden, findet mit einer Website höchst selten statt. Das müssen andere Mechanismen dazu kommen, die am ehesten ein soziales Netzwerk mitbringt.

Daher wird man, wenn man versucht, eine Fake-News-Welle einzudämmen, eher Knotenpunkte im Netzwerk angreifen und neutralisieren. Die Website, deren URL weitergeteilt wird, wird in vielen dieser Fälle weiterexistieren, aber niemand wird mehr darauf gestoßen.

Hinzu kommt, dass Websites längst nicht so zentral organisiert sind wie Präsenzen auf sozialen Plattformen. Es ist ungleich schwieriger, die Hoster ausfindig zu machen, der einen Server irgendwo auf der Welt betreibt und dann noch die Löschung durchzusetzen.

Löschbegehren, die sich gegen Webseiten richten, werden oft wegen Copyrightverstößen oder Markenrechtsverletzungen initiiert. Und auch dann versuchen die Initiatoren meist, den Domainnamen blockieren zu lassen, so dass die eigentliche Zielseite, etwa der Shop mit gefälschten Produkten, nicht mehr aufrufbar ist.

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