Wirbel um den Verhaltenscodex für die Entwickler von SQLite

SQLite ist ein Open-Source-Projekt für ein schlankes Datenbanksystem und bietet den Vorteil, Informationen auf dem Server mit SQL-Befehlen speichern und abrufen zu können, auch ohne weitere Software wie etwa MySQL. Wegen des „Code of Conduct“, also einer Art Verhaltensrichtlinie für die Entwickler, ist SQLite in die Diskussion gekommen.

Dass ein Projekt auf alte, religiös basierte Regeln zurückgreift, ist ungewöhnlich. Versuche, das Thema Ethik in der Informationstechnologie zu etablieren, scheinen derzeit aber aktuell zu sein. „Debating Ethics – Dignity and Respect in Data Driven Life“ war auch der Titel der 40. internationalen Datenschutzkonferenz in Brüssel Im Oktober 2018, wo auch „WWW-Erfinder“ Sir Berners-Lee auftrat.

SQLite wird daher gerne in mobilen System verwendet, zum Beispiel aber auch im Webkontext bei OwnCloud (wahlweise als Alternative zu MySQL).

Diese Tage ist aufgefallen, dass SQLite sich einen „Code of Conduct“ auf Basis religiös motivierter Verhaltensregeln gemäß des Heiligen St. Benedikt von Nursia  gegeben hat. Diese 72 Regeln im typischen Stil von Geboten und Verboten stammen aus einer Zeit um 500 nach Christus. Beispiele: „Fulfill not the desires of the flesh; hate your own will„, „Do not love much talking“ oder „Hate no one„.

Gerichtet sind die Gebote ausdrücklich an die Entwickler von SQLite, nicht an die User oder Verwender der Software in anderen Projekten. Wörtlich heißt es auch: „This rule applies to SQLite developers, not to users of the SQLite code.“

Screenshot des Code of Conduct bei SQLite.org

Verhaltensrichtlinien auf Basis alter religiöser Gebote fanden Eingang in den Code of Conduct beim Open Source Datenbankprojekt SQLite, was natürlich Diskussionen aufwirft. Sind 1.500 Jahre alte Regeln geeignet, um ewinen ethischen Codex in der Softwareentwicklung zu etablieren?

Die meisten anderen vergleichbaren Projekte stellen in solchen „Code of Conduct“-Texten weltliche, ethisch-moralische Richtlinien auf, über Cookie-Handling und Datenschutz zum Beispiel.

Der Rückgriff auf 1.500 Jahre alte Regelwerke, noch dazu auf Texte, die primär einem religiösen Glauben entspringen, hat aktuell etwas Diskussion ausgelöst, auch wenn der Text wohl schon um die acht Monate online steht. Die Debatte findet auf Twitter statt.

Die oft gestellte Frage ist, ob Regeln, die vielleicht beim Übergang der Spätantike zum Frühmittelalter hilfreich waren, auch in der Softwareentwicklung 1.500 Jahre später zielführend sein können. Auch einige Publikationen, die sich an Softwareentwickler richten, nahmen die Story auf, wie etwa „The Register“ oder „Dzone“.

Bei goneo ist die PHP-Erweiterung sqlite3 integriert (hier die php-info-Ausgabe), so dass man innerhalb eines PHP-Skripts eine SQLite-Datenbank anlegen und ansprechen kann. Wie dies funktioniert, ist hier dokumentiert (bei PHP.net). Für kleinere Datenbestände ist SQLite durchaus eine Alternative für MySQL. Der Vorteil ist, dass die SQLite-Datenbank in nur einer Datei verwaltet wird und auf dem Webspace abgelegt werden kann. Damit lässt sie sich sehr leicht sichern oder auf andere Plattformen übertragen.

Insgesamt scheint sich das Thema Ethik gerade auf breiterer Front diskutiert zu werden. Techcrunch berichtet über eine Aussage von Tim Berners-Lee über “Ethics, like technology, is design”. Dies hat der „Erfinder“ des Word Wide Web, wie er gerne in Medien bezeichnet wird, diese Tage in Brüssel gesagt, anlässlich einer Datenschutzkonferenz, der 40. Internationalen Konferenz Data Protection and Privacy Commissioners (ICDPPC).

Code formt soziales Leben. Auf diese Formel könnte man seine Keynote herunterbrechen:

“As we’re designing the system, we’re designing society. Ethical rules that we choose to put in that design [impact the society]… Nothing is self evident. Everything has to be put out there as something that we think we will be a good idea as a component of our society.”

Plattformen wie Facebook und Twitter mit ihren unübersehbaren Auswirkungen auf das menschliche Zusammenleben, aber eben auch mit ihrem Potential Menschen in ihrem Denken und Verhalten gezielt zu beeinflussen, seien von Menschen gemacht, sie seien anthropogen, wie er sich ausdrückte. Entsprechend käme Entwicklern, Analysten und  Systemarchitekten eine ethische Verantwortung für das zu, was sie produzieren. Als Beispiel nannte den Datenskandal um Cambridge Analytica.

Berners-Lee lobte die Möglichkeiten, persönliche Daten aus Apple oder Twitter herunterladen zu können, als gelungenes Beispiel dafür, wie man Usern mehr Kontrolle über ihre Daten geben könne.

In diesem Zusammenhang verwies Berners-Lee auf einen Ansatz aus seinem Wirken. „Solid“ heißt sein Konzept auf Open-Source-Basis, das am Massachusetts Institute of Technology unter Berners-Lee leitung das Licht der Welt erblickte und nun in seinem Unternehmen Inrupt zur Marktreife gebracht werden soll (hier der TED-Talk dazu von 2014).

Die Idee basiert auf einer dezentralen Serverlandschaft, was an die Konzepte von Diaspora oder Friendica erinnert: Viele Nodes, die unabhängig operieren, sind miteinander verbunden, wobei jeder einen solchen Knoten, im Prinzip ein Server, zusteuern kann. Nirgendwo werden in diesem Netz an Servern alle Daten gespeichert, sondern sind auf viele Nodes verteilt, wobei auch niemand die volle Kontrolle über das Netz hat. Wer auf Debian Linux einen Solid Server aufsetzen möchte, um damit zu experimentieren, findet hier eine Anleitung.

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